Zwischen Bembel und Burnout
Was ein Leben im Dauerstress mich über Resilienz, Veränderung und einen Neuanfang gelehrt hat
von Annette Kreiling-Behm · gedankenkraft.training · Lesedauer ca. 6 Minuten
Ein lauer Sommerabend in KreilingsSommerGarten: Die Sonne geht gerade unter, der Duft von Apfelwein und herzhaftem Handkäs liegt in der Luft, an den Tischen wird gelacht und geplaudert, und irgendwer bestellt beim freundlichen Personal noch einen Bembel, um diesen perfekten Abend noch etwas länger zu genießen. Für die Gäste sieht das nach einem Betrieb aus, der wie von selbst läuft.
Was Gäste niemals mitbekommen
Was sie nicht sehen, ist die Choreografie dahinter, die mir manchmal wie ein Zirkusprogramm vorkommt: zwei Leute krank, einer kurzfristig abgesagt, während ich zwischen Küche, Catering-Planung, Wareneinkauf, Papierkram und Personalplanung jongliere, als hätte ich fünf Vollzeitstellen gleichzeitig.
Dass der Laden nach außen hin auch dann rund läuft, wenn hinter den Kulissen längst nichts mehr nach Plan geht, ist jahrelange Übung.
So sieht mein Alltag in der Saisongastronomie aus, und das hat mich zu einer echten Expertin in einem Fach werden lassen, das man nirgendwo studieren kann: Resilienz.
Improvisieren wird zum Alltag
In einem Gastronomiebetrieb lernt man zu improvisieren, ob man will oder nicht. Einfach, weil einem schlicht nichts anderes übrig bleibt, wenn der Koch zwanzig Minuten vor dem ersten reservierten Tisch ausfällt oder die versprochene Lieferung einfach nicht kommt. Man baut die Karte für den Abend spontan um, bleibt freundlich, obwohl innerlich längst der dritte Plan B durchdacht wird, und behält dabei die Nerven, während um einen herum alles drunter und drüber geht.
Ich habe über Jahre gelernt, unter Druck nicht die Fassung zu verlieren, und bin ehrlich gesagt stolz darauf. Das ist eine Stärke, die man sicher nicht so schnell verlieren kann, und trotzdem ist Resilienz wie ein Muskel, der immer trainiert werden muss. (Warum es wichtig ist, mit zunehmendem Alter gezielt Muskeln zu trainieren, kannst du hier lesen.)
Und das Büro wartet schon
Ach ja, der Steuerberater braucht ja auch noch die Belege und die Kasse für den letzten Monat. Das muss dann eben schnell zwischen Grüner Soße und Bratkartoffeln erledigt werden.
Wir haben zwar eine hochmoderne digitale Kasse, trotzdem müssen wir alles noch einzeln aufführen und eintragen.
Dann frage ich mich, warum die zwei jungen Beamtinnen vom Finanzamt hier sitzen und mitten im Hochbetrieb die Kasse prüfen wollen. Sehen die nicht, dass sie gerade ganz ungelegen kommen? Nein, sie wollen es auch gar nicht sehen.
Und denken die eigentlich, ich hätte noch Zeit und Energie, diese digitale Kasse zu manipulieren, die sowieso alles gleich in die Cloud hochlädt?
Das Papier ist auch nur bis zu einem gewissen Grad geduldig. Im Büro warten die Schreiben, meistens von Behörden, und im E-Mail-Postfach freundliche Anfragen von Menschen, die gerne unser Catering in Anspruch nehmen würden.
Darüber freue ich mich sehr, denn ich mache gerne Menschen mit unserem Essen und unserem Service glücklich. Ich muss nur aufpassen, dass diese Anfragen unter dem lauten Geschrei der behördlichen Belange nicht untergehen. Arbeitszeitdokumentation, Krankmeldungen, Gehaltsabrechnung – die Liste scheint unerschöpflich.
Als die Kraft langsam weniger wurde
Was ich lange nicht wusste: Resilienz ist kein unendlicher Vorrat, sondern eher ein Konto, von dem man abhebt, wenn es hart auf hart kommt, und das irgendwann wieder aufgefüllt werden muss. Wenn man Jahr für Jahr nur abhebt, weil schon die nächste Krankmeldung oder der nächste Personalausfall wartet, ist irgendwann nichts mehr da.
Bei mir war es kein einzelner dramatischer Moment, sondern ein leises Gefühl, das sich über Monate verdichtet hat. Der Betrieb lief, die Gäste waren glücklich, die Qualität stimmte, und trotzdem hatte ich keine Energie mehr für ein neues Gericht auf der Karte oder für ein Schwätzchen mit einem Stammgast.
Erschöpfung ist kein Versagen. Sie ist eine Botschaft.
Und diese Botschaft sagt nicht, dass ich zu schwach bin, sondern dass ein Übergang ansteht. Die anstehenden Änderungen bei den Minijob-Regelungen machen die Personalsituation zusätzlich enger, sodass viele in der Branche gerade mit noch weniger Spielraum jonglieren müssen als ohnehin schon.
Der Moment, an dem sich etwas verändert
Ich stehe gerade an einem Scheideweg, ob und in welcher Form ich weitermachen möchte, und eine fertige Antwort darauf habe ich noch nicht. Was ich aber inzwischen weiß: All das, was mich in der Gastronomie ausgebrannt hat, hat mich gleichzeitig zu etwas geführt, das mir völlig neu war.
Ich habe angefangen, mich systematisch mit der Frage zu beschäftigen, wie Menschen unter Dauerdruck eigentlich innerlich stabil bleiben, und zwar nicht nur ich selbst, sondern auch die Menschen um mich herum.
Aus Erfahrung wurde eine neue Aufgabe
Was als reines Überlebensprogramm begann, ist über die letzten Jahre zu einer echten zweiten Leidenschaft geworden. Ich habe mich weitergebildet, mit Methoden gearbeitet, die da ansetzen, wo Kopf und Nervensystem an ihre Grenzen kommen, und irgendwann Menschen außerhalb meines Unternehmens dabei begleitet, ihre eigene Belastbarkeit neu zu verstehen.
Daraus ist mein Naturresilienztraining entstanden.
Mir liegt dabei etwas besonders am Herzen: Ich glaube an Menschen, auch und gerade an junge Menschen, und möchte ihnen Mut machen, sich selbst besser zu verstehen und eigene Entscheidungen zu treffen, statt sich nur nach fremden Erwartungen zu richten. Ob jung oder älter, jeder Mensch hat ganz besondere Stärken, und die Frage ist nur, ob er sie findet und sich traut, sie zu leben.
Dabei möchte ich Menschen heute gerne begleiten.
Ein Ende oder ein neuer Anfang?
Ich weiß nicht, wie meine Gastronomie in einem Jahr aussieht, vielleicht kleiner, vielleicht anders, vielleicht ganz neu gedacht. Was ich aber sicher weiß: Die Jahre am Herd und im Sommergarten haben mir etwas geschenkt, das ich nirgendwo hätte kaufen können, nämlich die Fähigkeit, auch an schlechten Tagen nicht die Nerven zu verlieren, und die Ehrlichkeit, zu merken, wann etwas verändert werden muss.
Genau aus dieser Erfahrung heraus ist „Reif für Leichtigkeit” entstanden, ein Resilienzprogramm für alle, die spüren, dass sie gerade an einem ähnlichen Punkt stehen.
Dabei geht es nicht um die Vermeidung von Herausforderungen, sondern um die Entwicklung von Fähigkeiten, ihnen ohne inneren Widerstand zu begegnen.
Leichtigkeit in diesem Sinne heißt nicht, dass alles leicht ist, sondern dass man aufhört, sich selbst zusätzlich zu belasten.
Wenn dich diese Geschichte anspricht, weil du deinen eigenen Übergang gerade spürst oder schon durchlebt hast, dann lass uns reden. In einem kostenlosen 30-minütigen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo du stehst und was für dich als Nächstes dran sein könnte.
Kostenlos. Unverbindlich. Aber garantiert nicht umsonst.