Alles beginnt im Kopf – oder nicht?
Solange dein Körper nicht optimal mit allem versorgt ist, was er braucht, kommt kein Mentaltraining und keine Psychotherapie der Welt wirklich an.
von Annette Kreiling-Behm · gedankenkraft.training · Lesedauer ca. 7 Minuten
Alles beginnt mit einem Gedanken. Mein Motto seit drei Jahrzehnten Mentaltraining. Doch manche Klienten hatten einfach keinen Erfolg mit den Mentaltechniken – wie Sandra, die seit Jahren intensiv an sich arbeitete. Sie hatte unzählige Bücher gelesen, Podcasts gehört, meditiert, Journal geschrieben, gefühlt jedes Mindset-Tool ausprobiert, das es gibt. Und trotzdem: nichts bewegte sich wirklich. Sie kam zu mir mit diesem Satz, den ich seitdem nicht mehr vergessen habe: „Ich weiß alles. Ich verstehe alles. Aber ich kann es nicht umsetzen.“
Ich bin nicht darauf eingegangen. Stattdessen habe ich sie gefragt, was sie heute zum Frühstück gegessen hat.
Sie schaute mich verwirrt an. In ihrem Blick konnte ich lesen, dass sie jetzt dachte: „Warum fängt die jetzt mit Smalltalk an?“
Es ist kein Mindset-Problem
Wenn du das Gefühl kennst, dass du weißt, was du verändern willst – und es trotzdem nicht klappt – dann ist vielleicht die erste Frage, die du dir stellst: „Was stimmt mit mir nicht? Warum schaffe ich das nicht?“
Dann denkst du möglicherweise darüber nach: „Wie kann ich mehr Disziplin aufbauen?“ Und dazu gibt’s womöglich noch ein neues Buch, ein neues Programm oder die neue Methode, die dir endlich den Erfolg verspricht.
Aber die wenigsten Menschen – und du wahrscheinlich auch – stellen sich die Frage: Wie gut ist mein Körper gerade versorgt?
Hier kann ein entscheidender Schlüssel liegen. Ein Nervensystem, das auf Sparflamme läuft, hat kaum Kapazität für Veränderung. Ein Körper, der ständig kämpfen muss – ob gegen Entzündungen, Nährstoffmangel, chronischen Blutzuckerstress oder dauerhafte Überlastung – schaltet in den Überlebensmodus. Und in diesem Zustand ist kein Platz für neue Gedanken, neue Gewohnheiten oder innere Freiheit.
Das ist keine Schwäche, sondern Biochemie. Unser Gehirn ist auf eine gute Versorgung angewiesen. Jede Nervenzelle benötigt Sauerstoff, Glukose, Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, um Informationen zu verarbeiten und neue Verbindungen aufzubauen. Fehlen diese Bausteine oder ist der Organismus dauerhaft belastet, setzt der Körper andere Prioritäten.
Das vegetative Nervensystem aktiviert Stressprogramme. Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin werden vermehrt ausgeschüttet, während Bereiche des Gehirns, die für Selbstreflexion, Konzentration, Lernen und bewusstes Entscheiden zuständig sind, weniger gut arbeiten. Das geschieht nicht, weil es dir an Disziplin oder Willenskraft fehlt. Vielmehr ist das ein biologischer Schutzmechanismus, der über Millionen von Jahren entstanden ist, um unser Überleben zu sichern.
Positives Denken allein bewirkt nichts, solange dein Körper signalisiert: „Ich habe gerade zu wenig Energie und zu viele Baustellen.“ Dann fehlen deinem Nervensystem die Voraussetzungen für nachhaltige Veränderung. Erst wenn der Organismus wieder ausreichend versorgt ist und sich sicher fühlt, kann das Gehirn seine erstaunliche Fähigkeit nutzen, neue Verbindungen aufzubauen und alte Muster zu verändern – genau das beschreibt die Neuroplastizität.
Was dein Gehirn wirklich braucht
Stell dir vor, du versuchst, ein großes Update herunterzuladen, während dein Netz auf einem einzigen Balken hängt. Technisch geht es. Aber es dauert ewig, bricht immer wieder ab, und irgendwann gibst du auf – nicht weil das Update falsch ist, sondern weil einfach zu wenig Signal da ist.
Dein Gehirn braucht für alles, was mit innerer Arbeit zu tun hat – mit Selbstwahrnehmung, mit dem Loslassen alter Muster, mit dem Aufbau neuer Reaktionen – eine solide biologische Basis. Und diese Basis beginnt, bevor du auch nur einen einzigen Gedanken über deine Blockaden formulierst.
Magnesium zum Beispiel. Ich meine das nicht als plumpen Tipp, sondern als echte Einladung zur Auseinandersetzung: Magnesium ist an über 300 enzymatischen Prozessen im Körper beteiligt und spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Nervensystems. Wer chronisch erschöpft ist, angespannt reagiert, schlecht schläft – hat häufig einen Mangel. Und ein Mangel, der nicht ausgeglichen wird, bleibt im Hintergrund aktiv wie ein leises Rauschen, das du irgendwann nicht mehr wahrnimmst, weil du den Mangel für normal hältst.
Dasselbe gilt für Vitamin D, das weit mehr als ein „Sonnenvitamin“ ist: Es beeinflusst Stimmung, Immunsystem und die Fähigkeit des Nervensystems, sich überhaupt zu regulieren. Und für Omega-3-Fettsäuren, die buchstäblich das Baumaterial für dein Gehirn sind. Oder für Eisen, dessen Mangel – besonders bei Frauen – zu einer Erschöpfung führt, die man leicht mit „emotionaler Überlastung“ verwechselt.
😄 Ich sage nicht, dass du dich mit einem Multivitaminpräparat selbst therapieren sollst. Aber ich sage: Lass mal checken, wie dein Körper tatsächlich aufgestellt ist. Manchmal ist das, was sich wie eine Glaubensfrage anfühlt, in Wirklichkeit eine Laborfrage.
Der Blutzucker – das unterschätzte Thema
Und dann ist da noch der Blutzucker. Das ist das Thema, über das ich am wenigsten geredet habe, bevor ich irgendwann verstanden habe, wie viel er tatsächlich steuert.
Ein Blutzucker, der den ganzen Tag über stark schwankt – rauf durch Zucker oder einfache Kohlenhydrate, runter durch den darauffolgenden Crash – hält das Nervensystem in einem Zustand permanenter Alarmbereitschaft. Nicht weil irgendwas Schlimmes passiert ist. Sondern weil der Körper bei jedem Unterzucker einen kleinen Notstand erlebt. Stresshormone werden ausgeschüttet. Der Fokus fällt weg. Die Reizbarkeit steigt.
Und in diesem Zustand willst du an dir arbeiten.
Das ist ein bisschen so, als würdest du versuchen, ein konzentriertes Gespräch zu führen, während im Nebenzimmer die Feuermeldeanlage piept. Du kannst es versuchen. Aber du wirst merken, dass du nur mit einem halben Ohr dabei bist.
Was hilft? Echtes Essen, das deinen Blutzucker stabil hält: Protein, gute Fette, Gemüse, komplexe Kohlenhydrate. Nicht als Diät, nicht als Verzicht – sondern als Entscheidung, deinem Körper das zu geben, was er braucht, um das zu tun, was du von ihm willst.
Körper und Psyche sind keine zwei Baustellen
Ich begegne immer wieder der Vorstellung, dass der Körper und die Psyche zwei getrennte Projekte sind. Zuerst wird der Körper fit gemacht – Sport, Ernährung, Schlaf. Und dann, wenn das klappt, kommt die innere Arbeit dran.
Oder umgekehrt: Zuerst werden die Glaubenssätze aufgelöst, die Blockaden bearbeitet, die Kindheitswunden angeschaut – und dann gibt der Körper schon irgendwie nach.
Beides stimmt nicht. Oder besser: Beides stimmt nur halb.
Wir sind ganze Systeme. Körper, Nervensystem, Psyche, Gedanken – die sind nicht hintereinander geschaltet, sondern gleichzeitig aktiv. Ein Nährstoffmangel kann psychische Symptome erzeugen, die aussehen wie emotionale Muster. Und ein emotionales Muster kann körperliche Spannungen erzeugen, die sich festsetzen wie ein physisches Problem. Das eine bedingt das andere, und manchmal hilft es tatsächlich mehr, zuerst Magnesium einzunehmen, als noch eine Methode zur Selbstreflexion auszuprobieren.
Das sagt niemand gerne laut. Ich schon.
Was das für dich bedeutet
Sandra, meine Klientin von vorhin, hat nach unserem Gespräch angefangen, ihre Laborwerte anzuschauen. Vitamin D im Keller, Magnesium niedrig, Eisenwerte grenzwertig. Sie hat begonnen, das auszugleichen, ihre Ernährung umzustellen – nicht perfekt, aber konsequent. Und nach einigen Wochen hat sie gesagt: „Ich habe das Gefühl, dass mein Kopf wieder zugänglich ist.“
Nicht: „Ich habe alle Blockaden aufgelöst.“ Nicht: „Ich bin jetzt ein anderer Mensch.“ Sondern: „Mein Kopf ist wieder zugänglich.“
Das ist der erste Schritt. Nicht der einzige – aber der erste. Bevor du anfängst, die Architektur deiner Gedanken zu verändern, lohnt es sich zu fragen, ob das Material, aus dem dein Gehirn arbeitet, überhaupt vorhanden ist.
Dein Körper weiß es meistens zuerst. Er schickt Signale – Erschöpfung, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. Wir nennen das oft „einen schlechten Tag“ oder „wieder mal ein Motivationsproblem“. Manchmal ist es das. Manchmal ist es auch einfach Magnesiummangel.
Und manchmal ist das der Unterschied zwischen einem Jahr, in dem sich nichts bewegt – und einem Moment, in dem plötzlich alles möglich wird.
Du fragst dich, ob das bei dir auch eine Rolle spielt? Komm ins kostenlose Erstgespräch. 45 Minuten, keine Verpflichtung – aber vielleicht der erste richtige Schritt.